
Vita
Der Kompositionsprozess ist für Rebecca Trescher ein ständiges Abwägen, ein Dauer-Dialog zwischen Verstand und Gefühl. Doch ihre emotionale Seite siegt immer wieder über das, was ihr die Logik an Prinzipien, Regeln und gängiger Formensprache in den Weg stellen will. Vielleicht klingt ihre Musik deshalb auch so wie sie klingt: unkonventionell, aber immer schlüssig – inniglich gefühlt eben. Kein Wunder, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung einst fragte: „Darf man einfach mal behaupten, dass noch niemand so für den Jazz komponiert hat wie Rebecca Trescher?“
Man darf. Die Einflüsse der Musikerin – Bob Brookmeyer, Björk, Miles Davis, Gil Evans, Radiohead, Wayne Shorter, Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Questlove – durchlaufen diesen ganz speziellen Rebecca Trescher-Filter und vermischen sich mit außermusikalischen Impressionen, die die zwischen Nürnberg und Berlin pendelnde Klarinettistin und Komponistin bei Studienreisen, durch Naturbeobachtungen und selbst aus Alltagssituationen gewinnt. Rebecca Treschers Musik ist ein Kaleidoskop, in dem die Linien, Farben, Formen, Texturen, Stilistiken, Perspektiven, Strukturen sich fließend verändern. Nie lässt sich wirklich ahnen, was die nächsten Takte bringen.
Mit ihrem Quartett und ihrem Tentett versteht sich Rebecca Trescher darauf, die Balance zwischen Klangfülle und Transparenz, zwischen Geerdetem und Ätherischem, zwischen Tradition und Moderne zu wahren. Was sie für ihre zwei Stammformationen schreibt, löst beim Zuhören stets das ganz große Kopfkino aus.
Früh (* 1986 in Tübingen) spürte Rebecca Trescher, dass Musik ihr Leben bestimmen würde und dass die Klarinette ihr Instrument ist. Das Rüstzeug für das, was sie heute macht, erhielt sie an der Hochschule für Musik Nürnberg (Jazzklarinette und Komposition) sowie an der Hochschule für Musik und Theater München (Master im Fach Komposition). Schon während des Studiums war klar, dass Rebecca Trescher auf der Suche nach anderen Wegen als den offensichtlichen ist. Ihren ausgeprägten Sinn für Klangfarben und Stimmführung, ihr Gespür für Dramaturgie und musikalisches Storytelling sowie ihr Faible für ungewöhnlich instrumentierte große Besetzungen lebte sie bald mit ihrem ersten Large Ensemble aus – aus dem dann ihr mehrfach prämiertes Tentett hervorging.
Bei den anspruchsvollen Aktivitäten für ihr Tentett und ihr Quartett belässt es Rebecca Trescher nicht. So schreibt sie etwa Auftragskompositionen – darunter ist die Konzertmusik zum Stummfilm-Epos „Oktober“. Seit 2017 kuratiert sie in der Nürnberger Tafelhalle als „artist-in-residence“ eine interdisziplinäre Reihe, zu der sie Gäste aus den Bereichen Tanz, Literatur, Videoperformance und Musik einlädt. Darüber hinaus engagiert sich Rebecca in verschiedenen Jurys und Gremien für den Jazznachwuchs – denn der liegt ihr besonders am Herzen. Mit viel Enthusiasmus gab und gibt Rebecca Trescher deshalb ihr Wissen und ihre Erfahrung auch als Dozentin an der Hochschule für Musik Nürnberg und am Jazz Institut Berlin weiter.
Ihr Streben nach mehr Autonomie führte jetzt zur Gründung von „Treasure Records“. Das Label erlaubt der Komponistin ihre musikalischen Visionen noch besser verwirklichen zu können, soll aber auch ein Netzwerk spinnen und als Forum für seelenverwandte Musikerinnen und Musiker dienen.
Ihr bisheriges Schaffen hat Rebecca Trescher zahlreiche Förderungen und Auszeichnungen eingetragen – darunter den Bayerischen Kunstförderpreis (2017). 2019 wurde sie zum Arist-in-residence an der Cité Internationale in Paris berufen. 2022 ließ die internationale Kritiker-Gemeinde des amerikanischen Magazins „Down Beat“ sie aufs Siegertreppchen in der Kategorie „Rising Star Clarinet“ steigen. Im selben Jahr erhielt sie den Deutschen Jazzpreis für ihren vierteiligen „Paris Zyklus/ The Spirit of the Streets“, der vom Schlendern durch die französische Hauptstadt inspiriert wurde – die Jury zeichnete damit eine Musikerin aus, die mit offenen Kanälen, geschärftem Sinn, Neugier und Empathie gewohnte und ungewohnte Umgebungen wahrnimmt und ihre Eindrücke trefflich in Musik zu übersetzen weiß.
Preise & Auszeichnungen
- 2024 HI Five Music Award mit dem Rebecca Trescher Tentett
- 2022 Rising Star „Clarinet“ Downbeat Magazine
- 2022 Deutscher Jazzpreis „Komposition des Jahres“
- 2022 Nominierung Deutscher Jazzpreis „Großes Ensemble des Jahres“
- 2022 Neuer Deutscher Jazzpreis mit dem Rebecca Trescher Tentett
- 2021 Wolfram-von-Eschenbach Förderpreis
- 2021 Auszeichnung zur Künstlerin der Europäischen Metropolregion Nürnberg
- 2019 Artist in Residence an der Cité Internationale des Arts in Paris
- 2019, 2017, 2014 CD-Produktion mit BR-KLASSIK im Studio Franken Nürnberg
- 2017 Bayerischer Kunstförderpreis mit ENSEMBLE 11
- 2016 Artist in Residence, Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
- 2015 Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg
- 2014 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg



Presse
„Eine subtile Klangmalerin auf den Spuren großer Impressionisten, die mit ihrem Tentett eine ganz eigene Handschrift entwickelt hat und die trotzdem immer den Blick nach vorne gerichtet hat“ (12/2021 DLF)
„Die 35-jährige Klarinettistin, Komponistin und Bandleaderin Rebecca Trescher liefert mit ihrem Tentett nicht nur eine persönliche Erinnerung an Pariser Tage, vielmehr ihr Meisterwerk ab.“ (Jazzpodium, Feb 2022)
„Rebecca Trescher sollte man im Auge beziehungsweise Ohr behalten – dies- und jenseits des Atlantiks.“ (Münchner Merkur, 01/2023)
„Es erklingt eine organisch anmutende Verbindung zwischen Jazz und „Wie sie sich Zeit für ihre ausführlichen und manchmal vertrackten Themenexpositionen lässt, so gibt sie auch den Improvisatoren genügend freien Spielraum. Meist hat sie für jeden Solisten eigene Backgrounds erfunden. Plan und Freiheit erhalten durch die Komposition ein gemeinsames Gefüge, und die hervorragenden Improvisatoren machen aus dem jeweiligen Stück eine abgerundete, in sich schlüssige Tondichtung. Die Kompositionen erhalten einen Werkcharakter, durchaus im klassischen Sinne.“ (Benno Bartsch, Jazzpodium Feb 2022)
„Harfe, Cello und Flöten spielen prominente Rollen im ungewöhnlich besetzten Ensemble, sinfonische Dichtungen impressionistischer Komponisten wie Debussy dürften Treschers Klangideal ebenso stark beeinflusst haben wie in der afroamerikanischen Tradition stehende mittelgroße Ensembles, etwa eines Charles Mingus.“ (Münchner Merkur, 01/2023)
„Die Grenzen zwischen durchkomponierter, detailreich ausarrangierter Kunstmusik und inspirierter, spontan aus dem Augenblick geschöpfter Improvisation werden hier ganz lässig verwischt.“ (Nürnberger Nachrichten – Peter Gruner)


